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  • Tara Tanita - Queen T.

Wage es zu träumen!

Aktualisiert: Juni 15


by Alex Glockner

Hey Queen,

weist du noch als du ein kleines Mädchen warst? Weist du noch, wie unbeschwert und frei du dich gefühlt hast? Weist du noch, wie du dich in deinen Träumen verlaufen konntest. Wie die Realität und die Traumwelt kaum voneinander zu trennen waren?

Ich kann mich genau darin erinnern.

Ich weis noch, wie wir in Irland durch die Felder getobt sind und uns unseren Launen hingegeben haben. Wir haben Brombeeren gepflückt und Kühe gejagt. Wir konnten einfach sein. Wir waren so viel draußen, wie es nur ging. Die einzige Sorge, die wir damals beim spielen hatten war, dass wir Zuhause sein mussten, bevor die Straßenlaternen angingen.




Meine Kindheit war nicht das, was man von einem Bilderbuch erwarten würde. Zuhause gab es keine heile Welt. Gewalt war an der Tagesordnung und Ortswechsel waren zur Gewohnheit geworden. In meinen Träumen und in meiner Fantasie fand ich jedoch Zuflucht. Dort konnte ich sein wer ich wollte. Ich konnte das tun was mir gefiel. Dort bestimmte ich.


Nachts Träumte ich häufig vom fliegen. Es war unglaublich. Ich musste die Luft einatmen um hoch zu fliegen und ausatmen um tiefer zu fliegen. Ich konnte die Träume steuern. Ich hoffte jeden Tag auf solch einen Traum. Eine Zeit lang träumte ich von nichts anderes.


Irgendwann hörten die schönen Träume aber auf. Ich wurde von Albträumen geplagt. Immer wieder die gleichen. Träume in denen mir weh getan wurde. Ich hoffte fortan nur noch, dass ich vom träumen verschont wurde.


In jungen Jahren flüchtete ich mich in den Konsum. Mit 14 besuchte ich mit meinem gefälschtem Ausweis die ersten Clubs und fortan wurde feiern zu meinem Lebensinhalt. Mit 17 und mit meinem forciertem Umzug nach Deutschland und damit weg von meiner "Mutter" entdeckte ich die Unterwelt der Techno und Party-Szene für mich. Ich verliebte mich direkt.

Dort war jeder "euphorisch". Dort waren alle gleich. Da konnte man die Realität wegdrücken und immer einen Abend lang so tun, als wäre die Welt in Ordnung. Man Tanzte alles weg.


Tiefe Bässe und Gänsehaut.

Das war der Himmel.

Dachte ich zumindest.

In wahrheit war es die Hölle.


Die Partynächte entwickelten sich zu mehrtägigen Eskapaden und die Euphorie verschwand immer mehr. Ich weis noch, wie ich mit 23, in einer Wohnung im Stuttgarter Westen saß, von meinem Wodka Bull trank und zusah, wie meine feier-"Freunde" ihre Päckchen zum verkaufen verpackten. Ich schaute mir die versiffte Wohnung genau an und dachte mir einfach nur:

"was zum teufel mache ich hier? Ich gehöre hier nicht hin"

Tatsächlich folgte am darauffolgenden Tag eine Drogen-induzierte Psychose und damit kam die lang ersehnte Ernüchterung. Als ich dachte, ich sei für die "klapse" reif, entschied ich mich dazu meinen Vater anzurufen. Ich kann mich noch genau an das Gespräch erinnern und was ich sagte.

"ich muss weg von dem ganzen. Ich will das nicht mehr"


Daraufhin ging ich erstmal in eine Therapie. Ich muss dazu sagen, dass ich sie nicht fertig gemacht habe. Damals dachte ich die anthroposophische Einrichtung, mit ihren komischen Ritualen, wäre völlig bescheuert. Heute wäre ich von dem Konzept tatsächlich sehr angetan.

Ich war damals einfach noch nicht bereit.


In der Zeit danach machte ich eine Ausbildung und meine Fachhochschulreife. Ich versuchte ein "normales" Leben zu führen. Das ging immer zeitweise gut. Rückfälle gab es immer Mal wieder. Ich wollte mich aber weiterentwickeln. Ich wollte nie mehr so leben wie davor. So kam es, dass ich mich erneut von meinem gewohntem Leben verabschieden musste. Das gewohnte hatte angefangen mich aufzuhalten und runter zuziehen.


Das war für mich aber keine Option.

Ich verließ mein Leben mit der Hoffnung, dass das was für mich bestimmt ist, mich wieder finden würde. Irgendwann merkte ich, dass man Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen kann. "Mann" kann man nicht verändern oder mitschleppen. Man muss sich selbst weiterentwickeln wollen. So musste ich letztlich komplett loslassen.


Im Frühjahr letzten Jahres entschied mich Studieren zu gehen. Das wollte ich schon lange. Ich lehnte eine Festanstellung in einem tollen Kindergarten mit traumhaften Arbeitszeiten ab und wagte einen Neuanfang.

Ich wollte im Licht leben und die Dunkelheit für immer hinter mir lassen. Im herbst zog ich nach Freiburg. Ich fing endlich wieder an zu schreiben. Ich machte bei meinen aller ersten Poetry Slam mit und fing endlich an mich selbst zu verwirklichen.



Was hatte sich verändert? Warum lebe ich wieder meine Träume?


Heute als Erwachsene Frau mit pädagogischem Fachwissen und unheimlich großes Interesse an der Psychologie, weis ich, dass ich als Kind, mit meinen erlebten Traumata nicht umgehen konnte. Viele begleiten mich heute noch.

Das schöne ist aber, dass Ich kein Kind mehr bin.


Ich konnte feststellen, dass mein Konsum von Substanzen, auch essen ein selbst angeeigneter und antrainierter Mechanismus ist, um unangenehme Gefühle wegzudrücken. Ich denke das machen viele. Alkohol Konsum, Kauf-sucht und Arbeitssucht werden aber gesellschaftlich akzeptiert und gefördert. Sie gehören dazu. Leider.


Als mir das endlich bewusst wurde, fing ich damit an mir andere Mechanismen zu suchen und anzugewöhnen. Ich wollte lernen auf gesunder weise mit diesen negativen Gefühlen umgehen zu können.

Durch eine Freundin wurde ich auf die Meditation aufmerksam. Ich liebe es. Es erdet mich so unheimlich ich kann gar nicht genug davon schwärmen! Sport ist für mich auch ein Mechanismus den ich nutze, um zu mir zu kommen. Beim Sport bin ich im Moment und nicht woanders. Ich spüre meinen Körper und bin ganz bei mir.


Ich möchte dich hiermit dazu animieren dich selbst zu beobachten. Was geht wirklich in dir vor, wenn du dich zum Alkohol, zur Zigarette, zum Shopping oder zum Essen wendest? oder wenn du dich in deine Arbeit flüchtest? Wovor lenkst du dich ab? Was willst du nicht fühlen?


Ich glaube wir alle haben Wunden, die wir nicht geheilt haben. Wir wissen nicht wie wir mit unseren Gefühlen umgehen sollen. Wir stehen gefühlt alle unter enormen gesellschaftlichen Druck. Wir müssen "performen". Wir nehmen unsere Bedürfnisse nicht mehr wahr und ignorieren unsere wahren Gefühle um den Schein zu wahren.

Hauptsache funktionieren oder?
Ist das wirklich Leben?

Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich Jesus bin und nun perfekt und geheilt sei. Das wäre geheuchelt. Ich verfalle immer Mal wieder in alte Muster. Esse ungesund, trinke und/oder rauche. Es gelingt mir jedoch immer schneller mich selbst zu fangen und die Vorfälle kommen immer seltener vor und die Abstände dazwischen sind viel größer.

Das ist weil ich mich selbst genau beobachte. Das ist für mich wichtiger als perfekt zu sein.

Am 26.04.2020, drei Tage nach meinem 29 Geburtstag, habe ich mir selbst geschworen keinen Alkohol mehr zu trinken, um irgendetwas zu unterdrücken.

Alkohol verändert meine Persönlichkeit und in den Tagen nach dem Konsum fühle ich mich träge und anders. Einfach nicht wie ich selbst.

Ich mag das nicht.

Ich fühle mich dann schuldig und unwohl und es geht mir damit insgesamt einfach nicht sehr gut. Ich weis nicht, wie meine Beziehung zum Alkohol sich weiterentwickeln wird. Momentan lebe ich Abstinent. Es ist aber schwierig darüber eine absolutistische Aussage zu treffen wenn ich ehrlich bin.


Ich muss das tun was mir gut tut. Mir tut es definitiv gut nüchtern zu sein.

Ich bin nüchtern sehr kreativ und schöpferisch.

Ich bin mutig und zielstrebig.

Ich bin emphatisch und verbunden.

Das ist wer ich sein will.


Deshalb ist meine Persönlichkeitsentwicklung zu meiner obersten Priorität geworden.

Ich möchte keine ungeheilten Wunden an meine zukünftigen Kinder weitergeben.

Deshalb habe ich keine andere Option. Ich muss heilen.

Für mich und für sie.


Deshalb wage ich es auch zu träumen.

Für eine bessere Zukunft.

Für uns.


Wofür brennst du? was willst du sein?


Ich bin bei dir!

- Tara Tanita aka. Queen T.




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